Top5 Robotik-Trends, die die Industrie prägen

Der aktuelle Bericht der International Federation of Robotics (IFR) nennt fünf Schlüsseltrends, die im Jahr 2024 die Zukunft der Industrie bestimmen werden.

Im Fokus stehen:

  • künstliche Intelligenz (KI)
  • cobots (kollaborative Roboter)
  • mobile Manipulatoren (MoMas)
  • digitale Zwillinge (Digital Twins)
  • humanoide Roboter.

Doch wie passen diese Technologien zu den Rahmenbedingungen des polnischen Marktes – und welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich für heimische Unternehmen? Darüber sprechen wir mit Szymon Bysko, Innovations- und Entwicklungsleiter bei PROPOINT sowie Dozent an der Schlesischen Technischen Universität.

PROPOINT: Die IFR hat fünf Schlüsseltrends der Robotik vorgestellt. Wie schätzt du sie im Kontext des polnischen Marktes ein?

Szymon Bysko: Diese Technologien sind keineswegs neu – viele von ihnen sind schon seit Jahren Teil des Marktes und passen perfekt in das Konzept von Industrie 4.0. Das Problem ist nur: In Polen werden sie sehr vorsichtig eingeführt.

Das größte Hindernis? Eine veraltete Produktionsinfrastruktur, die umfassend modernisiert werden müsste, um moderne Robotiklösungen und Automatisierungstechnologien effizient nutzen zu können. Und genau das ist ein teurer und langwieriger Prozess – einer, der angesichts der aktuellen wirtschaftlichen und geopolitischen Lage viele Unternehmen abschreckt.

PP: Einer der genannten Trends sind digitale Zwillinge (Digital Twins). Wie setzt ihr sie bei PROPOINT ein – und welche konkreten Vorteile bringen sie?

SzB: Der digitale Zwilling ist heute Standard in unserem virtuellen Anlauf. Damit können wir reale Prozesse digital abbilden und Fehler bereits vor der physischen Umsetzung erkennen und eliminieren. Das spart enorm viel Zeit und Ressourcen.

Und das ist nur der Anfang. Das Potenzial dieser Technologie ist riesig. In der Luftfahrt etwa werden Digital Twins eingesetzt, um den Zustand von Turbinen in Echtzeit zu überwachen. Diese Daten helfen wiederum dabei, effizientere Triebwerke zu entwickeln. In Zukunft könnten ähnliche Lösungen auch in der Fertigungsindustrie zum Standard werden.

PP: Würdest du sagen, dass die TOP-5 Robotik-Trends der IFR auch die wichtigsten Entwicklungsrichtungen in Polen sind?

SzB: Nur teilweise – vor allem für große, internationale Unternehmen mit dem nötigen Budget und entsprechender Infrastruktur. Kleine und mittlere Betriebe müssen sich oft auf die Grundlagen konzentrieren: Automatisierung, einfache Roboter und Systemintegration, die einen schnellen Return on Investment bringen.

PP: Gibt es andere Trends, die die Besonderheiten des polnischen Marktes besser widerspiegeln?

SzB: Ja. In Polen dominiert nach wie vor die Automatisierung einfacher Produktionsprozesse. Wir befinden uns immer noch in der Phase der „ersten Generation“ der Industrieautomatisierung. Der eigentliche Treiber ist hier der Arbeitskräftemangel – vor allem im Bereich Maschinenbedienung, Roboterprogrammierung und Produktionsmanagement.

Und das Bildungssystem kann mit den Anforderungen des Marktes nicht Schritt halten. Praktische Übungen an den Universitäten sind selten, und viele junge Ingenieure haben kaum Gelegenheit, mit realen Industriesystemen zu arbeiten. Das vergrößert die Fachkräftelücke zusätzlich.

PP: Du hast die Energieherausforderungen angesprochen. Welche Bedeutung haben sie für den Automatisierungs- und Robotiksektor?

SzB: Enorm. Immer stärker rückt die Energieeffizienz und die Reduzierung von CO₂-Emissionen in den Fokus. Das zwingt Unternehmen dazu, in neue Energiequellen zu investieren und Prozesse konsequent auf Ressourcenschonung zu optimieren.

Dabei können Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI/AI) und sogar humanoide Roboter unterstützen – ihr Einsatz erfordert jedoch die Einhaltung neuer gesetzlicher Vorgaben, vor allem in den Bereichen Sicherheit und Datenschutz.

PP: Wenn wir schon bei AI sind – sieht man ihre Anwendung heute schon in der polnischen Industrie?

SzB: Absolut. Das größte Potenzial von AI liegt in den Bereichen Datenanalyse, Produktionsplanung, Qualitätskontrolle und Predictive Maintenance. Bei PROPOINT setzen wir AI schon heute ein, um unsere Konstruktions- und Projektierungsprozesse zu unterstützen.

In Zukunft wird AI mit Sicherheit auch das Programmieren von Automatisierungssystemen erleichtern. Schon jetzt integrieren einige CAD/CAM-Umgebungen AI-Module, die das Design aktiv unterstützen.

PP: Und was ist mit Unternehmen, die nicht in moderne Technologien investieren wollen?

SzB: Diese Firmen werden sich früher oder später der Realität stellen müssen. Neue gesetzliche Vorgaben, steigende Energiekosten und der Druck des Marktes machen ein Festhalten an alten Lösungen schlichtweg unrentabel.

Dabei muss Transformation nicht immer eine Revolution sein – manchmal reicht eine schrittweise Modernisierung, Schritt für Schritt. Entscheidend sind die Offenheit für Veränderung und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Technologiepartnern. Wenn mehr Verantwortung an die jüngere Generation von Spezialisten übergeben wird, führt das oft zu mutigeren Ansätzen in Richtung Innovation.

Und man darf nicht vergessen: Viele kleinere Unternehmen werden von Konzernen übernommen, die über Kapital, Infrastruktur und globale Reichweite verfügen. Globalisierung und Automatisierung sind Prozesse, die sich weiter beschleunigen werden.