Digitale Simulationen entwickeln sich zum Fundament der modernen Industrie 4.0. Sie ermöglichen es Unternehmen, Prozesse mit bisher unerreichter Präzision zu planen, zu optimieren und umzusetzen – und das bei deutlich geringerem Zeit- und Kostenaufwand.
Über den Einfluss von AI, Cloud Computing und digitalen Zwillingen auf die Produktion sprechen wir mit Mateusz Lampa, Simulationsexperte und Spezialist für Offline-Robotik bei PROPOINT.

PROPOINT: Welche Trends prägen heute die digitalen Simulationen in der Industrie?
Mateusz Lampa: Der Einfluss von AI ist inzwischen in fast allen Bereichen spürbar – auch in der Robotersimulation. Kunden erwarten schnelle, präzise Analysen auf Basis vorhandener Daten und fertiger Lösungen. Genau hier kommen Algorithmen ins Spiel, mit denen wir unsere Arbeit beschleunigen und direkt ein optimales Ergebnis liefern können.
Ein weiterer zentraler Trend ist der Digitale Zwilling. Wir erstellen ein vollständiges virtuelles Abbild der Anlage, um ihre Funktionsweise vor der Umsetzung zu prüfen – ohne das Risiko kostspieliger Änderungen oder Stillstände. Bei PROPOINT simulieren wir den gesamten Zyklus von Maschinen und Robotern. So stellen wir sicher, dass die Linie exakt im vorgegebenen Takt läuft – beispielsweise alle 90 Sekunden.
PP: Welche konkreten Vorteile bringt der Einsatz von Simulationen in Produktionsprozessen?
ML: Vor allem Zeit- und Kosteneinsparungen. Simulation verkürzt den gesamten Ablauf – vom Design über die Feinabstimmung bis hin zur finalen Integration.
Die virtuelle Prüfung macht es möglich, Kollisionen oder Fehler frühzeitig zu erkennen. In der Realität würden sie enorme Kosten verursachen. Der Kunde erhält die Gewissheit, dass die Linie alle Anforderungen erfüllt – und sieht zusätzlich den Produktionsablauf in einer realistischen 3D-Umgebung.
Ein weiterer Pluspunkt: Spätere Anpassungen, Erweiterungen oder Modernisierungen lassen sich viel einfacher umsetzen.
PP: Wie verändert AI und Machine Learning die Welt der Simulationen?
ML: Revolutionär. Wir testen derzeit Algorithmen, die die Roboterprogrammierung automatisieren – von Bewegungsbahnen über Kollisionsvermeidung bis hin zur Zykluszeitanalyse.
Was früher Wochen gedauert hat, erreichen wir heute in wenigen Stunden. Die Automatisierung von Simulationen hat unsere Implementierungszeit halbiert. Für mich ist klar: Das wird sehr bald zum Branchenstandard.
PP: Und wie bewertest du die Integration von Simulation mit IoT und Big Data?
ML: Ein riesiges Potenzial. Mit IoT und Echtzeit-Datenanalyse können wir mit Informationen arbeiten, die direkt aus Produktionsstandorten weltweit stammen.
Zunehmend kommt auch Remote Programming zum Einsatz: Virtuelle Umgebungen spiegeln die Realität millimetergenau wider. In Zukunft werden Roboter ihre optimalen Bewegungsbahnen selbst berechnen – basierend auf Sensordaten und ihrer Umgebung.
PP: Was hältst du von Cloud-basierten Simulationen?
ML: Das ist die Zukunft. Simulationen in der Cloud ermöglichen die Zusammenarbeit vieler Teams – unabhängig vom Standort – und machen teure lokale Hardware überflüssig.
Die größten Unternehmen investieren bereits. Natürlich bleibt Datensicherheit die entscheidende Herausforderung, aber mit den richtigen Standards ist dieser Weg voller Chancen.
PP: Du arbeitest seit neun Jahren bei PROPOINT. Gibt es ein Projekt, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
ML: Auf jeden Fall – eines der spannendsten Projekte war die Simulation einer Produktionslinie für den Tesla Cybertruck. Die außergewöhnliche Kombination aus Aluminium und Stahl bei großen Karosserieteilen erforderte ein völlig neues Vorgehen. Wir haben eine voll funktionsfähige Simulation entwickelt, die den strengen Anforderungen des Kunden entsprach. Dieses Projekt hat mich wirklich geprägt.
PP: Welche Tipps hast du für Menschen, die in dieser Branche Fuß fassen wollen?
ML: Am wichtigsten ist räumliches Denken und die sichere Arbeit in 3D-Umgebungen. Kenntnisse in CAD-Programmen, Modellierung und mechanischer Analyse sind ein großes Plus.
Grundlagen im Programmieren sind ebenfalls hilfreich – nicht unbedingt direkt für Roboter, sondern auch für die Automatisierung alltäglicher Aufgaben. Und das Wichtigste: Offen bleiben für ständiges Lernen und bereit sein, sich schnell an neue Technologien anzupassen.
PP: Und welche Empfehlungen würdest du Unternehmen geben, die über digitale Simulationen nachdenken?
ML: Entscheidend ist die Wahl eines erfahrenen Partners, der ein Projekt ganzheitlich umsetzen kann. Der richtige Integrator stellt sicher, dass alles reibungslos und termingerecht läuft.
Und man darf nicht vergessen: Eine Investition in digitale Simulationen bedeutet nicht nur Zeit- und Kostenvorteile – sie öffnet auch den Weg zu kontinuierlicher Prozessoptimierung.
PP: Zum Schluss – was gibt dir die größte Zufriedenheit in deiner Arbeit?
ML: Wenn ich sehe, wie eine reale Anlage exakt so läuft wie in der Simulation. Dieses Gefühl ist unbezahlbar – zu wissen, dass ein Prozess, an dem wir monatelang gearbeitet haben, in der Praxis funktioniert und die Arbeit des Kunden verbessert.